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Die Dependenztheorie

Die Dependenztheorie wurde während der sechziger Jahre in den lateinamerikanischen Ländern entwickelt und definiert die Wirtschaftsbeziehungen der Industriestaaten mit den Staaten der Dritten Welt als ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis, die zur nachrangigen Stellung der Entwicklungsländer führt. Dabei ist die Dependenztheorie ein Sammelbegriff für eng miteinander verwandte Entwicklungstheorien, die sich auf diese Abhängigkeit beziehen.

Was bedeutet Dependenz?

Der Begriff Dependenz leitet sich von Interdependenz ab. So werden wechselseitige Abhängigkeiten als Interdependenz definiert, wobei sich dabei alle beteiligten Partner gleichermaßen entfalten können. Die Interdependenz beruht auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit, auch Reziprozität genannt. Die Dependenz bezeichnet jedoch eine einseitige Abhängigkeit. Die Entwicklung mindestens eines Partners wird auf Kosten eines Anderen gehemmt. Bei der wechselseitigen Abhängigkeit beeinflussen sich die beteiligten Seiten gegenseitig, während bei der einseitigen Abhängigkeit nur eine Seite Einfluss auf die Andere ausübt. Bezogen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Welt und in Auseinandersetzung mit den Modernisierungstheorien wurde so die Dependenztheorie entwickelt.

Die Kernaussage der Dependenztheorie

Während die Modernisierungstheorien davon ausgehen, dass die verzögerte Entwicklung in den Ländern der Dritten Welt durch endogene Faktoren wie Tradition, Kultur oder Kapitalmangel verursacht wird, propagieren die Vertreter der Dependenztheorie im Gegenteil die Auffassung, dass die nachteilige Stellung der Entwicklungsländer dem Einfluss äußerer Faktoren geschuldet ist. So würden die Wirtschaftsbeziehungen dieser Länder mit den sogenannten Metropolen (den industriell entwickelten Ländern) ihre nachrangige Stellung in der Weltwirtschaft zementieren. Um zu einer gleichwertigen wirtschaftlichen Entwicklung zu kommen, ergibt sich für die Anhänger der Dependenztheorie die Schlussfolgerung, die Form der gegenwärtigen wirtschaftlichen Beziehungen zu ändern. Dazu werden mehrere Gesellschaftsmodelle diskutiert, die erst nach einer Abschottung des nationalen Marktes von äußeren Einflüssen realisiert werden könnten. Außer Frage steht für die Vertreter der Dependenztheorie allerdings, dass eine positive Entwicklung der Länder der Dritten Welt unter den Bedingungen der heutigen Wirtschaftsbeziehungen nicht möglich ist.
Diese Ansicht wird jedoch durch reale Beispiele rasanter Entwicklungen von ehemaligen Staaten der Dritten Welt (China, Tigerstaaten) widerlegt. So wurden doch diese schnellen wirtschaftlichen Erfolge gerade auf der Grundlage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Industriestaaten erzielt.

Fazit

Die aktuellen wirtschaftlichen Veränderungen in der Welt widerlegen ursprünglich aufgestellte Theorien und zeigen die ungeheure Komplexität der Entwicklung.