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Reziprozität

Reziprozität leitet sich aus dem lateinischen Wort reciprocere bzw. reciprocus her. der Begriff beschreibt die Gegenseitigkeit. In der Soziologie geht man davon aus, dass ein Menschsein ohne den gegenseitigen Austausch nicht möglich ist. Sie ist die Basis des gegenseitigen Vertrauens, dass heißt wenn ich etwas gebe, werde ich auch etwas zurück bekommen. Sonst fühlt der Mensch sich ausgenutzt und ist von dieser Beziehung enttäuscht. Wenn jemand immer nur gibt und die Gegenleistung verweigert wird, zum Beispiel durch ungerechte Machtverhältnisse, ist diese Beziehung auf Dauer nicht stabil. Wird man in solche Beziehungen gezwungen, reagiert der Mensch oft mit seelischen oder körperlichen Krankheiten. Man unterscheidet verschiedene Formen der Gegenseitigkeit..

Direkte Reziprozität

Die direkte oder echte Reziprozität bedingt, dass es zu einem Austausch kommt. Es erfolgt eine Gabe, die Gabe wird angenommen, und in der Folge kommt die Gegengabe, das kann auch ein kommunikativer Austausch sein. Derjenige, der als erster gibt, erfährt dann eine Erwartungshaltung, er wartet auf die Gegengabe. Das ist oft gesellschaftlich geregelt. Ein Arbeiter bekommt für seine Gabe, die Arbeit, einen Lohn.

Die generalisierte Reziprozität

Generalisierte Reziprozität bedeutet, dass man eine Leistung für jemanden erbringt, ohne dass man die Gegenleistung konkret von dieser Person erwartet. Man zahlt zum Beispiel in die Rentenkasse ein, unterstützt damit die gegenwärtigen Rentner, empfängt dann aber die eigene Rente durch Zahlung von ganz anderen Menschen, nämlich den Beitragszahlern von morgen.

Reziprozität der Perspektive und der Beziehungen

Unter Reziprozität der Perspektive ist gemeint, dass man die Sichtweise eines anderen Menschsein einnehmen kann und dadurch überhaupt erst fähig wird, einen anderen zu verstehen.

Reziprozität von Beziehungen meint, dass eine Rolle nicht ohne den anderen gespielt werden kann, so ist eine Krankenschwester nur Krankenschwester, wenn sich ein Kranker von ihr pflegen lässt.
In der Gruppendynamik wird die Gegenseitigkeit Interdependenz genannt. Interdependenz ist die wechselseitige Beeinflussung, also die Handlungen des einen beeinflussen den anderen und umgekehrt. Dependenz meint dagegen eher eine Abhängigkeit, zum Beispiel die Abhängigkeit vom Führer der Gruppe. Dass heißt, einer beeinflusst den anderen, aber nicht umgekehrt. Die Frage ist, ob so etwas überhaupt möglich sein kann oder ob nicht doch auch bei einseitigen Machtverhältnissen Rückwirkungen vorhanden sind.